Umwege mit Ausblicken

"Indian Summer" in Kärnten und der Steiermark

"Stört's euch eigentlich, wenn man mit dem Moped auch die letzten paar Kehren nach dem Fahrverbotsschild bis zur Hütte rauffährt?" "Dich stört's ja auch nicht, außerdem gehört das ja zu deinem Job als Sportjournalist dazu“, antwortete Richie, der Wirt der Wolfsberger Hütte auf der Saualpe in Kärnten. So erfrischend unkompliziert wie er und seine Angie hoch oben in den Bergen war auch die Dienstreise, die mich durch eben diesen Job im Oktober 2017 wieder mal nach Wolfsberg führte. Selbstredend mit dem Tiger, und selbstredend nicht auf dem kürzesten Weg. Es waren die Umwege, die den Trip reizvoll machten und das sensationelle Wetter, das mich jetzt dazu bewog, hier wieder einmal ein an sich mehr oder weniger "normales" Wolfs-Wochenende ausführlicher festzuhalten. Auch wenn (leider) die Videokamera diesmal nicht mitlief – die bewegten Bilder sind im Kopf und jene, die ich mit der Panasonic Lumix LX-15 bzw. dem iPhone 6 Plus gemacht habe, womöglich dem einen oder anderen Motivation genug, auch mal wieder ins Land einizuschauen...

Tag 1 • Man kommt auch ohne Autobahn ans Ziel

 

Wien - Breitenfurt - Klausen-Leopoldsdorf - Hainfeld - Kalte Kuchl - Lahnsattel - Niederalpl - Stanz im Mürztal - Sommeralm - Teichalm - Fladnitz - Köflach - Pack - Wolfsberg - St. Margarethen

 

 

Streckenlänge: ca. 400 Kilometer

 

 

Strecken-Link: MotoPlaner

(ungefähr, da "nachgeplant")


Über die Autobahn ist man in rund zweieinhalb Stunden in Wolfsberg, ich bin dennoch schon um acht Uhr Morgens los, obwohl das Fußballspiel, über das ich zu berichten hatte, erst am Abend angepfiffen wurde. So blieb genug Zeit für viele jener Kurven und Ausblicke, die der Weg von Wien nach Kärnten zu bieten hat. Zunächst noch auf meinen Hausstrecken – den Frühstückskaffee gab's in der Kalten Kuchl – schließlich über Lahnsattel und Niederalpl in die Steiermark. Danach entschied ich mich, wieder einmal zur Teichalm zu fahren – und zwar die Strecke über die Sommeralm, die mir bei Kaiserwetter immer wieder wunderbare Panoramen vors Visier lieferte.

Bei der Teichalm ließe es sich auch hervorragend speisen, ich begnügte mich dennoch mit einem Wurstsemmerl mit Käs und Gurkerl vom Nah & Frisch und genoß lieber soviele Kilometer wie eben möglich. Dass auch der eine oder andere auf Schotter dabei war, versteht sich bei mir von selbst – es war aber nichts dabei, was nicht auch mit jeder Straßenmaschine zu fahren wäre. Alles in allem blieb es eine feine Straßentour über steirische Hügel und Berge (die Teichalm liegt immerhin auf  rund 1200, die Sommeralm auf 1400 Meter) mit Kurven ohne Ende. Das heißt: Natürlich gab es ein Ende, und zwar nachdem ich über den Packsattel nach Kärnten und dort dann bei meinem Tagesziel angekommen bin…

…und hier noch ein kleiner "Arbeitsnachweis" aus der Lavanttal-Arena:

Genächtigt habe ich übrigens ein paar Kilometer außerhalb von Wolfsberg im Hotel Gasthof Stoff in St. Margarethen. Ein empfehlenswertes Haus mit geräumigen  Zimmern, (nicht genutzter) Wellness-Möglichkeiten und reichhaltigem Frühstücks-Buffet. Für den Tiger wurde mir zur Nächtigung ohne Nachfrage die Garage des Hauses angeboten, in der er sich zusammen mit zwei dort offenbar wohnhaften Enduros pudelwohl fühlte.

Tag 2 • Der frühe Vogel war als Erster am Berg

 

St. Margarethen - Lading - Wolfsburger Hütte - Ladinger Hütte - St. Margarethen - Bad Weißbach - Klippitztörl - Neumarkt in der Steiermark - Schierling - Judenburg - S36 - A2 - Wien

 

Streckenlänge: ca. 350 Kilometer

 

Strecken-Link: MotoPlaner

(ungefähr, da "nachgeplant")


Da ich so gegen 15 Uhr in der Redaktion sein musste, stand ich beim Frühstück vor der Wahl, entweder wie Tags davor auf kleinen Straßen zurück nach Wien zu fahren, oder mich zunächst auf der nahen Saualpe herumzutreiben und dann als "Preis" dafür eben ein gutes Stück Autobahn mitzunehmen. Wobei die Wahl nicht wirklich schwer gefallen ist – wer schon einmal oben bei der Wolfsberger Hütte war, wird bei so einem Wetter nicht auf die gebotene Aussicht verzichten. Also saß ich um Punkt sieben am Frühstückstisch und wenig später am Tiger.  Der frühe Vogel war als erster am Berg und konnte es am gepflegten Schotterstraßerl bis auf 1.850 Meter hinauf demensprechend stauben lassen. Die letzten paar Kehren mit etwas gröberem Schotter (aber immer noch recht einfach zu fahren) unterliegen wie eingangs erwähnt einem Fahrverbot, die netten Wirtsleute Angie und Richie haben aber nichts dagegen, wenn man mit dem Motorrad bis ganz rauf zur Hütte fährt – auch ohne "Bikers-Welcome"-Schild sind wir dort oben gern gesehene Gäste. Wobei es einem der Anstand gebieten sollte, auch etwas zu konsumieren – und wenn es wie bei mir nur ein Häferl Kaffee ist. Mehr ging um diese Uhrzeit so kurz nach dem ausgiebigen Frühstück beim besten Willen nicht rein…

Am Weg zurück hinunter begegneten mir dann schon Wanderer und Autos, das spätsommerliche Wetter – oder der "Indian Summer", wie es auf Neudeutsch so schön heißt – lockte zahlreiche Ausflügler auf die Saualpe und bescherten Angelika und Richard mit Sicherheit noch einen arbeitsreichen Sonntag. Ich bog auf etwa halbem Wege noch einmal links in Richtung Ladinger Hütte ab, die um diese Jahreszeit jedoch nicht mehr bewirtschaftet wird. Der ca. fünf Kilometer lange Schotterweg bietet auch den einen oder anderen interessanten Abzweig, um sie alle näher zu erkunden fehlte es mir jedoch an Zeit. Also bin ich dann relativ bald wieder zurück auf die Hauptroute und runter nach Lading bwz. St. Margarethen.

Mit mehr Zeit hätte man am Rückweg etwa noch gut die Nockalmstraße und andere kärntnerische bzw. steirische Schmankerl einbauen können, so aber ist der Rest der Tour rasch erzählt: Das Klippitztörl nahm ich noch mit, ab Judenburg ging es dann aber auf die S36 und in weiterer Folge über die Autobahn A2 nach Wien, um pünktlich in der Redaktion aufzuschlagen. Im Gepäck – auch ohne bewegte Bilder der Action Cam – die Erinnerung an wunderbare Strecken und Landschaften sowie einmal mehr die Überzeugung, dass es bei aller Reiselust daheim genauso immer wieder (sehr) schön ist. Und mir mein Job, der mich viel herumkommen  lässt, die Möglichkeit gibt, das Angenehme mit dem Notwendigen zu verbinden. Auch Wochenendarbeit kann Spaß machen!