Auf den Spuren von Papa Max

Abruzzen? Klar, oft davon gehört, aber noch nie dort gewesen. Als ich bereits Ende Juli aufgrund meines in der Mongolei erlittenen Schien- und Wadenbeinbruchs schweren Herzens die Teilnahme an der Hard Alpi für Anfang September mit der CCM absagen musste, meinte mein bayrischer Freund Max, dass ich doch stattdessen zum geplanten Termin einfach zusammen mit Mel ihn und seine Liane dort treffen solle, wenn es bis dahin schon zum gemütlichem Fahren reicht. Nun, Anfang September war dann doch zu früh für den reparierten Haxn, aber der Floh im Ohr, den Max mit Bildern und Worten von tollen Bergen und ebensolchen Strecken gefüttert hatte, war nicht mehr zu bändigen. Also beschlossen Sozia und ich uns eben ein Monat später auf die Spuren von Papa Max zu begeben. Die einzigen "Einschränkungen": Die Sitzposition am Tiger wurde in die niedrigste Stufe gestellt, um auch zu zweit sicheren Stand zu gewährleisten und da mein rechtes Bein für die Enduro-Stiefel immer noch zu sehr angeschwollen war, schlüpfte ich eben in die Straßenstiefel. Offroad war diesmal sowieso keinesfalls geplant, man muss es ja nicht gleich übertreiben…

…dafür wurde vor der Abfahrt aber auch eine tägliche Fußmassage vereinbart.

Tag 1 • Slowenische Leckerbissen

Am Mangart
Am Mangart

Wien - Graz - Klagenfurt - Villach - Wurzenpass - Kranjska Gora - Vrsic Sattel - Soca - Bovec - Mangart - Bovec

 

Strecken-Länge: ca. 480 km

Strecken-Link: MotoPlaner

 

Wie meistens, wenn es weiter weg geht, wurden zu Beginn erst einmal auf der Autobahn Kilometer gemacht, kurz nach Villach verließen wir dann die A2 in Richtung Wurzenpass, der mich wie schon so oft kurvenreich rüber nach Slowenien führte. Bei Sonnenschein ging es anschließend über den wunderbaren Vrsic Sattel mit seinen insgesamt 51 Kehren, von denen die 20 auf der Nordrampe als Relikt an den Straßenbau während des 1. Weltkrieges immer noch im Originalzustand mit Kopfsteinpflaster versehen sind. Was Sozia ein entzücktes "wir sind ja auf der Höhenstraße" aus dem Helm entlockte – auch mein täglicher Weg in die Redaktion führt eben dort über Kopfsteinpflaster, weshalb der Tiger auch keinerlei Scheu davor hat und wir jede einzelne Kurve genießen konnten. Weil Wetter und Ausblicke herrlich waren, entschloss ich mich nach der Ankunft in unserem Etappenziel in Bovec kurzerhand dazu, am späten Nachmittag noch eine meiner absoluten Lieblingsstrecken in Angriff zu nehmen. Wenn wir schon im, übrigens durchaus empfehlenswerten, Hotel Mangart abstiegen, so musste der Mangart einfach auch wieder einmal befahren werden. Sozia genoss inzwischen das Wellness-Angebot des Hotels, während ich die wunderbare Sackgasse hoch zur Lahnscharte und wieder runter praktisch für mich alleine hatte – immer wieder ein Leckerbissen! Diesmal sogar gratis, weil um die Uhr- (oder Jahres?)-Zeit keine Maut mehr kassiert wurde.

Tag 2 • Kilometerfressen

Blick vom Hotel Cristallo in Giulianova
Blick vom Hotel Cristallo in Giulianova

Bovec - Zaga - Tarcento - Udine - Padova - Bologna - Rimini - Ancona - Giulianova

 

Strecken-Länge: ca. 750 km

Strecken-Link: MotoPlaner

 

Da die Wetterprognosen nicht gerade die besten waren, prüften wir am Vorabend noch einmal die Voraussagen für alle Richtungen, in die wir von Bovec aus für die Weiterreise offen gewesen wären – von Sardinien über Kroatien/Montenegro bis nach Albanien/Griechenland – man ist ja flexibel. Da die Großwetterlage auf den Satellitenbildern aber wirklich überall recht durchwachsen erschien, blieben wir bei Plan A wie "Abruzzen" und machten uns bei leichtem, sich aber bald verflüchtigtem Nieselregen Richtung Zaga auf, von wo mit dem Sedlo Solarji ein feiner Pass von Slowenien nach Italien führt. Danach hieß es Kilometerfressen auf der (teuren) italienischen Autobahn, trotz dichtem Wolkenhimmel blieben wir bis Guilianova trocken, wo wir direkt am Adria-Touristenstrand das Hotel Cristallo bezogen.


Tag 3 • Erstmals nass geworden

Äußerst selten: Gegenverkehr
Äußerst selten: Gegenverkehr

 Giulianova - Teramo - Fonte Cerreto - Hochplateau Campo Imperatore - Penne - Cellino Attanasio - Giulianova

 

Streckenlänge: ca. 220 Kilometer

Strecken-Link: MotoPlaner

 

Nach ausgiebigem Frühstück am reichhaltigen Buffet machten wir uns gleich daran, die max'schen Beschreibungen einer ersten, eingehenden Überprüfung zu unterziehen. Aufgrund seiner Warnung vor dem dichten Verkehr mieden wir bis Teramo die SS80, wenngleich wir auch abseits davon wohl kaum rascher (dafür aber kurviger) voran kamen – ab Teramo führt sie dann aber, wie von Max ebenfalls beschrieben, kurvenreich und verkehrsarm in die Berge. Ein Genuss.

Mit Weidevieh muss man immer rechnen
Mit Weidevieh muss man immer rechnen

Was Max freilich nicht erwähnte: Dass es kurz nach dem Passo della Capannelle, also genau dort, wo Strecke und Landschaft beginnen, so richtig atemberaubend zu werden, zu regnen anfängt (darüber müssen wir uns noch unterhalten!!!)...

...wir haben also nicht allzuviel gesehen, auch während einer halbstündigen Teepause zum Aufwärmen bei Fonte Cerreto wollte sich das Wetter nicht bessern. Also ging es von den rund 220 Tageskilometern etwa 170 im Regen unter anderem über die Hauptstrecke der eindrucksvollen Hochebene des Campo Imperatore. Sozia tat mir ob des Wetters hinter mir so richtig leid und wie ich nachher hörte, war sie vor allem darüber enttäuscht, dass ich diese wunderbare Route mit ihren unzähligen Kurven nur bedingt auskosten konnte.

Teepause zum Aufwärmen…
Teepause zum Aufwärmen…
…während es draußen ordentlich waschelte
…während es draußen ordentlich waschelte

Tag 4 • Ich konnte nicht widerstehen

Lago di Campotosto
Lago di Campotosto

Giulianova - Teramo - Lago di Campotosto - Fonte Cerreto - Hochplateau Campo Imperatore - San Salvatore - Castelli - Bisenti - Santa Margeritha - Guilianova

 

Streckenlänge: ca. 260 Kilometer

Strecken-Link: MotoPlaner

 

Am nächsten Tag blieb Sozia zu Hause bzw. am Strand, um zu joggen - und ich trocken. Aus weiter oben angeführten Gründen nahm ich große Teile der bereits tags davor gefahrenen Route erneut unter die die Speichenräder des Tigers,um sie diesmal auch zu sehen, baute die Strecke aber noch um einen Abstecher zum Lago di Campotosto aus, dem größten und höchstgelegenen (1.313 m) See in den Abruzzen.

"Straßensperre" rauf zum Lago
"Straßensperre" rauf zum Lago

Eigentlich wollte ich ja das winzige, geschwungene Sträßchen, das bei Ortolano rechts von der SS80 zum Lago rauf führt, nehmen – doch der Motoplaner hatte sich schon im Hotel beharrlich geweigert, diese Strecke zu routen. Vor Ort fand ich des Rätsels Lösung: Wegen eines Hangabrutsches, der laut einem Ducati-Fahrer, den ich an der Abzweigung traf, die gesamte Straße wegräumte, ist die Strecke gesperrt. Natürlich wäre diese kleine Böschung neben der Sperre weder für Tiger noch für mich ein Hindernis gewesen und ich überlegte dementsprechend etwas mehr als einen Augenblick lang – doch so reizvoll die Verlockung auch gewesen wäre, besann ich mich letztlich doch darauf, dass ich auf dieser Reise ja eigentlich vernünftig bleiben wollte. Auch die Hauptroute zum See, die nach mitteleuropäischen Maßstäben sowieso allerhöchstens eine Nebenstraße ist, brachte Fahrspaß pur, die herbstlichen Farben bescherten feine Ausblicke:

Beim anschließenden Auskosten jener Route, die wir ja bereits im "Blindflug" gefahren waren, wurde mir auf einmal bewusst, dass meine Blicke scheinbar automatisch jeder Schotterabzweigung folgen – das werde ich wohl nie mehr ablegen. Und in den Abruzzen gibt es davon wirklich genug, die noch dazu meist hoch hinauf in die Berge führen. Zu Beginn konnte ich ja noch ein paarmal widerstehen, irgendwann aber war es mir dann doch zu blöd und ich folgte einfach meinem Instinkt (im obigen Streckenlink sind die Abstecher zwar nicht eingebaut, wer aber dort mit offenen Augen Schotter sucht, wird sowieso fündig). Da fehlte wenig zum fast perfekten Moped-Tag, nur einmal wurde ich kurz wieder auf den Boden der Realität zurück geholt: Als ich für ein Foto auf eine Böschung gestiegen war und in einem Augenblick der Unbedachtheit (das Wort Dummheit mag ich im Zusammenhang mit mir nicht in den Mund nehmen) die vielleicht ein oder eineinhalb Meter runtergesprungen und voll auf dem operierten Bein gelandet bin, dachte ich, ich müsste vor Schmerzen losbrüllen. Die Nachwehen des Sprungs sollte ich über eine Woche lang spüren,  am Abend gab's dafür einen würdigen Ausklang bei feinstem Fisch.

Tag 5 • Umzug ins Gebirge

Am Campo Imperator auf 2.130 m
Am Campo Imperator auf 2.130 m

Giulianova - Mulinetto - Santa Martino Bassa - Penne - Castel del Monte - Calascio - Santo Stefano di Sessanio - Campo Imperatore - Filetto - L'Aquila

 

Streckenlänge: ca. 200 Kilometer

Strecken-Link: MotoPlaner

 

Am nächsten Morgen beschlossen wir, unser Hauptquartier von der Küste in die Berge nach L'Aquila zu verlegen, der Weg dorthin war wieder vom Feinsten - habe ich schon erwähnt, dass ich mittlerweile die Abruzzen längst ins Herz geschlossen hatte? Sonne und hartnäckige Nebelfelder wechselten einander regelmäßig ab, der Himmel blieb aber den ganzen Tag über trocken. In Castel del Monte gönnten wir uns eine Espresso-Pause, der später dann noch köstliche Arrosticini zur Stärkung folgten. Das sind für die Abruzzen typische, kleine Spießchen mit ca. 1 Zentimeter großen Lammstücken, die auf Holzkohlen gegrillt werden – eine Gaumenfreude, die  man sich keinesfalls entgehen lassen sollte!

Kurvenreich zum um vom "Höhepunkt"
Kurvenreich zum um vom "Höhepunkt"

Als Hauptgang gab es aber auch an diesem Tag Kurven, Kurven und noch einmal Kurven. Höhepunkt war dabei die Fahrt hinauf zum Hotel Campo Imperatore und wieder hinunter, mit 2.130 m der höchste auf asphaltierter (Stich)-Straße anfahrbare Punkt des ganzen Apennins. Umgeben von den Gipfeln der höchsten Berge der Abruzzen wie den Corno Grande (2.912 m) ergeben sich fantastische Ausblicke. Wobei die Gegend durch ihre karge Vegetation ein wenig an Mondlandschaften oder Hochebenen im Himalaya erinnert. Dass Sozia so nett gewesen ist, dort oben in luftiger Höhe ein wenig zu warten, bis ich zumindest ansatzweise die umliegenden Schotterwege erkundet hatte, sei hier noch am Rande lobenswert erwähnt…



Das La Dimora del Baco Hotel bei L'Aquila
Das La Dimora del Baco Hotel bei L'Aquila

In L'Aquila fand sich anschließend mit dem La Dimona del Baco ein gutes, wenn auch nicht billiges Hotel mit einem großen Wellnessbereich und wirklich gutem Fischrestaurant, in dem wir uns gleich für vier Nächte einquartierten. Etwas außerhalb der Stadt neben einer Sportanlage gelegen, ist es zwar alles andere als ideal um sich per Pedes auf Erkundungstour zu machen, als Ausgangspunkt für Motorradtouren in die umliegenden Berge aber fanden wir die Unterkunft nahezu perfekt, außerdem tat uns in Anbetracht des wechselhaften Wetters ein wenig Luxus gut.

Tag 6 • (Wahrscheinlich) auch ein feine Tour

Soviel sah ich an diesem Tag nur selten…
Soviel sah ich an diesem Tag nur selten…

L'Aquila - Barisciano - Calascio - Castel del Monte - Villa Santa Lucia degli Abruzzi - Ofena - Castelvecchio Calviso - Castelnuovo - Villa Sant'Angelo - L'Aquila

 

Streckenlänge: ca. 135 Kilometer

Strecken-Link: MotoPlaner

 

Für den Samstag waren sintflutartige Regenfälle vorausgesagt und wir hatten bald beschlossen, den Tag im Hotel zu verbringen. Als der Himmel dann aber so gegen 10 Uhr kurz sogar die Sonne zum Vorschein brachte – okay, das ist jetzt übertrieben, aber zumindest hat es wirklich eine zeitlang nicht geregnet – machten sich Tiger und ich doch auf den Weg. Ich war ja schließlich zum Motorradfahren da. Gut, von den 135 Kilometern waren's wahrscheinlich 100 bei (teils strömenden) Regen, 80 obendrein im dichten Nebel, so dass man oft die eigene Hand vor dem Helm nicht gesehen hat. Was das ganze an der anderen Hand aber auch schon wieder spannend machte, waren doch wirklich steile, enge Sträßchen mit atemberaubenden Kehren dabei, vom Vortag habe ich schemenhaft auch Castel del Monte und Calascio wiedererkannt. Alles in allem bestimmt eine feine Tour, die ich gerne einmal bei blauem Himmel und dann wohl fantastischen Aussichten wiederholen würde. Handschuhe sowie KTM/Alpinestar-Stiefel waren danach jedenfalls völlig durchnässt, die wasserdichten Socken haben ihren Job aber doch recht gut erledigt, der Companero sowieso – und der Saunagang zum Abschluss des Tages brachte langsam aber sicher auch die Lebensgeister zurück.


Tag 7 • Seen-Runde

Tolle Aussicht auf L'Aquila
Tolle Aussicht auf L'Aquila

L'Aquila - San Nicola - Castiglione - Gamagna - Fiumata - Lago del Salto - Borgo San Pietro - San Martino - Castel di Tora - Lago del Turano - Collalto Sabino - Collegiove - Vallececa - Lago del Salto - Pescorochiano - Santo Stefano - Pianelle - Collimento - A'quila

 

Streckenlänge: ca. 220 Kilometer

Strecken-Link: MotoPlaner


Von Italienern auf der Brücke gefilmt
Von Italienern auf der Brücke gefilmt

Am nächsten Tag blieb es wieder trocken und ich machte mich daran, die beiden Gebirgsseen Lago del Salto und Lago del Turano zu erkunden. In Fiumata traf ich auf eine Gruppe römischer Biker, von denen sich einer kurzerhand anbot, mich bei der Fahrt auf der Brücke über den Lago del Salto zu filmen. Ein netter Zug. Wie überhaupt auch diese Tour wieder eine ganz feine gewesen ist, auch weil sich zwischen den beiden Lagos immer wieder unbefestigte Abstecher fanden, die meist durch den Wald führten, mal am Ufer eines der Seen, mal irgendwo im Nichts endeten. Ich hätte mich stundenlang hier austoben können, letztlich lockte aber doch, was im Hotel wartete.

Tag 8 • Prinzessinnenwetter

Über den Wolken: Norcia im Nebel
Über den Wolken: Norcia im Nebel

 

L'Aquila - Madonna della Strada - Antrodoco - Cittareale - Norcia - Sant'Angelo - Castelsantangelo sul Nera - Castelluccio - Forca Carapine - Configno - Montereale - San Vittorino - L'Aquila

 

Streckenlänge: ca. 255 Kilometer

Strecken-Link: MotoPlaner

Kaiserwetter wäre jetzt vielleicht ein wenig übertrieben - der blaue Himmel und die angenehmen Temperaturen an Mels Geburtstag hatten aber definitiv etwas von Prinzessinnenwetter. Was wir natürlich zu einer ausgedehnten, gemeinsamen Runde nützten. Als Ziel hatten wir Castelluccio auserkoren, ein kleines, malerisch auf einem Hügel gelegenes Gebirgsdorf auf 1.452 m, wo wir wieder einmal hervorragend zu Mittag speisten – bella Italia sag ich nur. Die Hochebene dort ist übrigens sehr beliebt bei Gleitschirmfliegern, die umliegenden Berge wie der Monte Vettore allesamt jenseits der 2000-Meter-Marke.

Gegen Ende der Tour fragte ich Sozia, ob wir den schnelleren Weg von Montereale über die SR260 nach L'Aquila nehmen oder ein kleines, bestimmt weit unterhaltsamer zu fahrendes Sträßchen über den Berg, welches ich auf der Karte gefunden hatte. "Eh klar, die schöne Strecke", sprudelte es aus dem Geburtstagskind heraus. Und der Weg von San Giovanni Paganica nach Pizzoli übertraf alles, was ich mir von ihm versprochen hatte, wurde immer holpriger und ging recht bald in Schotter über. Ich war mir nicht mehr ganz sicher, ob wir auch wieder irgendwo rauskommen und fragte Mel daher bei einem kurzen Stopp nach etwa fünf Kilometern, ob sie nicht lieber doch umkehren wolle. "Nein, diesen Weg will ich keinesfalls mehr zurück", gab sie unmissverständlich zu Protokoll - womit festgehalten ist, dass SIE die Entscheidung traf, auch die noch kommenden gut 20 Kilometer Schotter unter die Räder zu nehmen. Endurowandern vom Feinsten, wir bewegten uns immer zwischen 1.300 und 1.400 Meter über dem Meeresspiegel. Zu zweit auf einem Motorrad sind wir zuletzt im September 2011 am Tremalzo Anspruchsvolleres gefahren, damals freilich weit weniger entspannt, wie ich mich noch immer gut erinnere. Von fast allem war etwas dabei: Feiner Schotter, grober Schotter, zu Furten ausgewachsene Wasserlachen, etwas steilere Abschnitte, enge Kehren. Bei der Abfahrt ins Tal gab zwar irgendwann der Akku der Helmkamera seinen Geist auf, die nachstehenden Bilder vermitteln aber auch so einen recht guten Eindruck vom wunderbaren Abschluss eines rundum feinen Tages:

Tag 9 & 10 • Dem Regen entgegen

L'Aquila - Guilanova - Ancona - Bologna - Udine - Villach - Treffen


Streckenlänge: ca. 800 km

Strecken-Link: MotoPlaner

Treffen am Ossiachersee -

Klagenfurt - Graz - Wien


Streckenlänge: ca. 360 km

Strecken-Link: MotoPlaner


Der Blick aus dem Hotelfenster in Kärnten
Der Blick aus dem Hotelfenster in Kärnten

Für die Heimreise hätten wir eigentlich drei bis vier Tage eingeplant gehabt und wollten auch noch ein wenig in die Marken, das Gebirge nördlich der Abruzzen, reinschnuppern. Da machte uns allerdings das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Die Vorhersagen versprachen wahrlich "Land unter", weshalb wir uns entschlossen, in der Direttissima binnen zwei Tagen nach Hause zu fahren. Die ersten vielleicht 300 von insgesamt ca. 1160 Kilometer blieben wir trocken, den Rest fuhren wir bei meist strömendem Regen und teils klirrender Kälte, was Sozia doch einiges an Durchhaltevermögen abverlangte. Genächtigt haben wir wie schon bei der Heimreise von Sardinien im Vorjahr im Hotel EduCare am Ossiachersee in Kärnten: Mit Sauna, schönen, großen Zimmern und einem hervorragenden Frühstücksbuffet. Daheim angekommen erfuhren wir dann aus den Nachrichten von Muhrenabgängen, Schlammlawinen und Überschwemmungen samt Todesopfer in den Abruzzen – der Zeitpunkt der Abreise war gut gewählt.


Fazit:

 

Der Oktober ist an sich ein guter Monat für Reisen mit dem Motorrad, schon allein weil die Strecken fast nirgendwo auch nur ähnlich überlaufen sind wie zur Sommerzeit. Das Wetter muss dabei nicht zwingend unbeständiger sein, wovon wir uns ja erst letztes Jahr auf Sardinien überzeugen konnten. Heuer hatten wir diesbezüglich weniger Glück, wenngleich das auch nicht wirklich überraschend gekommen ist. Für mich war die erste größere Tour nach meinem Sturz im Juni in der Mongolei aber sehr wichtig und auch Sozia ließ es sich trotz eher abschreckender Prognosen nicht nehmen, mich zu begleiten. Das Ziel war daher in meinen Augen diesmal eher zweitrangig, wenngleich sich die Abruzzen als eine wirklich tolle, absolut empfehlenswerte Destination entpuppten: Wunderbar kurvige Straßen, herrliche Bergpanoramen, die mich in ihrer Rauheit an die Karpaten erinnerten, auch die Qualität der (Neben)Straßen hatte durchaus etwas "rumänisches". Allerdings mit dem weit besseren, eben italienischen, Essen. Nicht nur deshalb will ich wiederkommen, vielleicht ja mit der CCM. Denn wenn ich schon keine Wölfe und Bären, von denen es dort noch jede Menge gibt, gesehen habe, so blieb mir doch nicht verborgen, dass in den Abruzzen noch sehr viel Schotter darauf wartet vom Wolf befahren zu werden.